TVG Drochtersen – Karate

Ab dem 21. Mai 2026 wird in Drochtersen wieder Karate angeboten, und zwar in der Stilrichtung Tō’on-ryū Karate-dō – einer Stilrichtung, die von Kyoda Jūhatsu (1887-1968) gegründet wurde und in Japan in Fachkreisen als sehr traditionell gilt.

Wo: Kleine Turnhalle / 21706 Drochtersen
Zeiten: Donnerstag – 15:30 bis 16:30 Uhr (Unterstufe) und 16:30 bis 18:00 Uhr (Oberstufe)
Trainer: Yannick Schultze (1. Dan Tō’on-ryū Karate-dō)

Der Unterricht wird in zwei Gruppen aufgeteilt: eine Unterstufe (6 bis 12 Jahre) sowie eine Oberstufe (über 12 Jahre und Erwachsene).

In der Unterstufe wird Karate spielerisch erlernt, wobei ein besonderer Fokus auf eine saubere Grundschule gelegt wird. Ein zentraler Bestandteil des Unterrichts ist zudem der Respekt gegenüber dem Lehrer sowie den Mitschülern. Karate beginnt und endet mit Respekt – daher wird vor und nach jeder Trainingseinheit selbstverständlich an- und abgegrüßt.

Die Oberstufe zeichnet sich ebenfalls durch einen starken Fokus auf das Erlernen der Grundschule aus, wobei hier natürlich mehr Gewicht auf die präzise Ausführung jeder einzelnen Technik gelegt wird. Selbstverständlich gehört auch das Erlernen der Karate-Kata zum Unterricht, und die Schüler werden schrittweise an diese herangeführt.

Was ist Tō’on-ryū Karate-dō?
Das Tō’on-ryū ist – ähnlich wie sein Schwesterstil, das Gōjū-ryū – ein traditioneller Stil mit Ursprung im Naha-te. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da Kyoda Jūhatsu ebenso wie Miyagi Chōjun (der Begründer des Gōjū-ryū) unter Higaonna Kanryō trainierten. Beide begannen ihr Training im Jahr 1902, wobei Kyoda einige Monate früher anfing. Nach dem Zweiten Weltkrieg trennten sich ihre Wege; vor dem Krieg waren sie jedoch gemeinsam in verschiedenen Verbänden aktiv, wie z. B. dem Okinawa Karate Forschungsclub (gegründet 1926), dem Okinawa Athletik-Verband – Karate-Sektion (gegründet 1930), der Zweigniederlassung der Dai Nippon Butokukai für Okinawa sowie dem Okinawa Karate Förderungsverband (gegründet 1936).

Anders als Miyagi Chōjun, der auch beruflich als Karatetrainer tätig war und über die Jahre zahlreiche Schüler unterrichtete, verfolgte Kyoda – der hauptberuflich als Lehrer und später sogar als Schuldirektor arbeitete – ein anderes Ziel: Er lehrte nach dem Motto 少数精鋭主義 (Shōsū seiei shugi – „Prinzip, dass Entscheidungen von wenigen Fähigen gefällt werden sollten.“). Dies spiegelte sich auch in der geringen Anzahl seiner Schüler wider. Zu Kyodas Lebzeiten unterrichtete er insgesamt drei Personen in seinem vollständigen Karate-System: seinen alten Freund aus Okinawa, Iraha Chōkō, der ebenfalls als Schullehrer tätig war, seinen dritten Sohn Kyoda Jūkō sowie Kanzaki Shigekazu – das dritte Oberhaupt des Stils und Lehrer meines Lehrers Ikeda Shigehide.

Das Tō’on-ryū ist somit ein Stil mit einer direkten Übertragungslinie. Ein charakteristisches Merkmal ist die persönliche Weitergabe: Tō’on-ryū wird weder aus Büchern noch aus Videos erlernt, sondern ausschließlich in direkter Unterweisung vom Lehrer an den Schüler vermittelt. Auch heute sind Videoaufnahmen von Kata nicht gestattet, um die traditionelle Form der Übertragung zu bewahren und selbst kleinste technische Nuancen korrigieren zu können.

Ähnlich wie im Gōjū-ryū existieren auch im Tō’on-ryū Kata, die direkt von Higaonna Kanryō übernommen wurden. Dazu zählen Sanchin, Sanseiru und Pecchūrin. Kyoda hatte ebenfalls die Seisan von Higaonna Kanryō erlernt, entschied sich jedoch bewusst dafür, die Seisan von Higaonna Kan’yū zu lehren. Seine Begründung war, dass die Seisan bereits im Gōjū-ryū bewahrt werde und ohne seine Entscheidung die Version von Higaonna Kan’yū verloren gegangen wäre.

Neben diesen vier Naha-te-Kata wird auch die Jion gelehrt. Die Tō’on-ryū-Jion unterscheidet sich jedoch von anderen Versionen dieser Kata, da sie auf Yabu Kentsū zurückgeht, den ersten Soldaten der Präfektur Okinawa und einen damaligen Kriegshelden. Ebenso wird im Tō’on-ryū die Kata „Nepai“ unterrichtet, eine Form, die Bewegungen des Kranichs nachahmt und auf den aus Fuzhou stammenden Chinesen Go Kenki zurückgeht, der sie direkt an Kyoda weitergab.

Ähnlich wie das dritte Oberhaupt des Stils bereits früher Kindern die Pin’an- (Heian-) Kata vermittelte, werden auch in Drochtersen die fünf Pin’an-Formen gelehrt, jedoch mit einem starken Fokus auf die Tō’on-ryū-Grundschule.